Im Jahr 1965 wurde das Haus der Sparkassen in der Wiener Grimmelshausengasse errichtet, in dem sich neben dem Sparkassenverband auch viele andere zentrale Sektoreinrichtungen befanden und zum Teil auch noch befinden.

1890 – 1914: Die Sparkassen beginnen zusammenzuarbeiten

Bis zum Ende des 19.Jahrhunderts hatten die Sparkassen nur wenig Kontakt untereinander und agierten im Rahmen der staatlichen Vorgaben weitgehend autonom. Die zunehmende Zahl der Mitbewerber aus den Sektoren der Aktienbanken und der Raiffeisenkassen, aber auch die staatliche Steuerpolitik zwangen sie in den Jahren der Wende zum 20. Jahrhundert zur stärkeren Zusammenarbeit und zur Gründung von Interessensverbänden.

Eine Vollversammlung der Sparkassen in den 1930er Jahren im Gemeinderatssitzungssaal des Alten Rathauses in Wien

Eine Vollversammlung der Sparkassen in den 1930er Jahren im Gemeinderatssitzungssaal des Alten Rathauses in Wien

Diese wurden zuerst auf regionaler Ebene in Form von Landesverbänden und 1905 auf nationaler Ebene gegründet. Die Initiative für die Gründung des ersten Landesverbandes in Niederösterreich und des Reichsverbandes der deutschen Sparkassen in Österreich ging vom Wiener Neustädter Rechtsanwalt und Sparkassenleiter Dr. Karl Haberl aus.

Dr. Karl Haberl von der Wiener Neustädter Sparkasse war Vater der Zusammenarbeit im Sparkassensektor.

Dr. Karl Haberl von der Wiener Neustädter Sparkasse war Vater der Zusammenarbeit im Sparkassensektor.

Der Reichsverband ist der Vorläuferverband des heutigen Österreichischen Sparkassenverbandes, der einerseits als freiwillige Vereinigung der Gruppe agiert, anderseits auch seit 1947 die Funktion des Fachverbandes der Sparkassen im Rahmen der Wirtschaftskammerorganisation übernommen hat.

Die Zusammenarbeit trug insofern Früchte, als durch die Organisation von Sparkassentagungen und die Herausgabe der Sparkassenzeitung ein Erfahrungsaustausch gepflegt und gemeinsame Aktionen wie das Heimsparkassensystem, die Sparerziehung der Jugend und die Betreuung von Sparvereinen begonnen werden konnten.

Die Sparkassen waren anfangs von diesem gemeinsamen Auftritt nur zum Teil begeistert, sie erkannten aber bald die Vorteile bei Interventionen und bei der Durchsetzung von Wünschen gegenüber dem Staat.

Nach 1918 wurde diese Zusammenarbeit auch politisch geprägt, weil sich um die sozialde-mokratisch dominierte Zentralsparkasse der Gemeinde Wien und die bürgerliche Erste österreichischen Spar-Casse ein Block der Gemeindesparkassen und ein Block der Vereinssparkassen entwickelte, die bis spät in das 20. Jahrhundert manchmal auch geteilter Meinung in kreditpolitischen Fragen waren.

Die politische Prägung wirkte sich unter anderem bei den sektoralen Spitzeninstituten aus, die neben den Interessensvertretungen als zentrale Ausgleichstelle, als Berater und gemeinsamer Kreditgeber bei größeren Projekten fungierten.

Dies war von 1901 bis 1926 die Centralbank der Sparkassen und von 1938 bis 1997 die Girozentrale der österreichischen Sparkassen, die sich zuletzt GiroCredit nannte.

In diesem Haus zwischen dem Wiener Beethovenplatz und dem Ring befand sich viele Jahre die Schaltzentrale des Sparkassensektors. Es war Sitz der Girozentrale und bis 1965 auch des Sparkassenverbandes.

In diesem Haus zwischen dem Wiener Beethovenplatz und dem Ring befand sich viele Jahre die Schaltzentrale des Sparkassensektors. Es war Sitz der Girozentrale und bis 1965 auch des Sparkassenverbandes.

Der Aufsichtsrat und der Vorstand wurden nach politischen Regeln besetzt, ohne dass dies allerdings negative Folgen für ihre durchaus erfolgreiche Geschäftstätigkeit hatte.

Die GiroCredit wurde 1997 mit der Ersten österreichischen Spar-Casse zur Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen fusioniert, die seither als Leadbank und Spitzeninstitut tätig ist.