So sah es im 19. Jahrhundert im Schalterraum der Ersten österreichischen Spar-Casse aus.

1831 – 1850: Die Sparkassen als Erfinder des Sparbuches und des Hypothekardarlehens

Die ersten Sparbücher in Österreich wurden in der Ersten österreichischen Spar-Casse ausgegeben. Zu ihren ersten Geschäftsfällen im Oktober 1819 gehörten die Ausgabe von 100 Sparbüchern,  die unter der Patronanz von Kaiser Franz „unter würdigen Kindern der unteren Klassen von 12 – 15 Jahren“ verteilt wurden.

Die erste Seite des heute noch existierenden Sparbuchs der Marie Schwarz aus dem Jahr 1819

Die erste Seite des heute noch existierenden Sparbuchs der Marie Schwarz aus dem Jahr 1819

Die kleine Marie Schwarz war die Inhaberin des ersten dieser Sparbücher. Das gestiftete Guthaben von 10 Gulden – das entspricht heute etwa 150 Euro – mitsamt Zinsen durfte sie nicht vor Vollendung des 20. Lebensjahres beheben. 29 Jahre lang wurde kein Kapital zugezahlt, sondern nur  zweimal jährlich die Zinsen nachgetragen. Marie Schwarz – sie war damals etwa 45 Jahre alt –  ließ sich ihr Guthaben, das auf über 30 Gulden angewachsen war, im Revolutionsjahr 1848 ausbezahlen.

Das Sparkassenregulativ des Jahres 1844

Das Sparkassenregulativ des Jahres 1844

Im Jahr 1844 wurde das „Sparkassen-Regulativ” für die Bildung, Einrichtung und Überwachung von Sparkassen erlassen, das im Wesentlichen bis 1979 die gültige Rechtsgrundlage für die Organisation der Sparkassen war. Dort wurde der Rechtscharakter des Sparkassenbuches neu geregelt.

Für die Spareinlagen gab es Kündigungsfristen, Einlagengrenzen nach oben und eine degressive Verzinsung, weil man nur kleinere Spareinlagen annehmen wollte. Die degressive Verzinsung, wonach höhere Spareinlagen geringer verzinst wurden als kleinere, hielt sich vielfach bis in die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts.

Zinssatzänderungen waren nicht vorgesehen, der Spareinlagenzinssatz blieb bis 1865 konstant in fast allen Sparkassen bei 4 %, der Darlehenszinssatz bei 5 %.

Eine alte Sparbüchse mit Bienen, die ab 1835 von den Sparkassen als Symbol des Sparens verwendet wurde.

Eine alte Sparbüchse mit Bienen, die ab 1835 von den Sparkassen als Symbol des Sparens verwendet wurde.

Die Erste österreichische Spar-Casse war aber nicht nur die Erfinderin der Sparbuches, sondern auch des hypothekarisch besicherten Darlehens. Um die absolute Sicherheit der  Spareinlagen zu gewährleisten, wurde das einbezahlte Geld der Sparer anfangs nur in Staatsanleihen angelegt und für grundbücherlich und durch fundierte Wertpapiere besicherte Darlehen (Hypothekar- und Lombarddarlehen)  verwendet.

Ein Darlehen mit gleichbleibenden Rückzahlungsraten, das im Grundbuch vermerkt wurde, gab es damals noch nicht. Bis dahin konnte man kleinere Kredite nur in den Pfandhäusern durch Verpfändung von Gegenständen erhalten.

Die Spareinlagen und die Darlehen der fünf damals bestehenden Sparkassen überschritten im Jahr 1833 jeweils die 10-Mio.-Gulden-Grenze.