Der 15.Weltkongress der Sparkassen 1987 in Wien. Im Bild Bundespräsident Kurt Waldheim bei der Eröffnung.

1924 – 2014: Die Sparkassen auf dem Weg nach Europa

Bereits im 19. Jahrhundert gab es eine Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung der Sparkassen in Mitteleuropa, obwohl das aufgrund der fehlenden Kontaktmöglichkeiten gar nicht so einfach war.

Trotzdem gab es nicht nur Unterstützungen in den Gründungsphasen, sondern auch in den Bereichen der vergleichenden Sparkassen-Statistik und des Schulsparens. Ein wichtiger Meilenstein für eine internationale Zusammenarbeit erfolgte 1924 mit dem 1. Weltkongress der Sparkassen in Mailand.

Der 1. Weltkongress der Sparkassen 1924 in Mailand

Der 1. Weltkongress der Sparkassen 1924 in Mailand

Dort wurde das Internationale Institut der Sparkassen gegründet und die Durchführung des Weltspartags am letzten Oktobertag jeden Jahres als erste grenzüberschreitende Aktion aller Sparkassen beschlossen. Die österreichischen Sparkassen beteiligten sich auch an allen folgenden Aktivitäten des Weltinstituts, u.a. auch bei der Verbreitung der Sparkassenidee in Entwicklungsländern.

Der 15. Weltkongress der Sparkassen, der 1987 in Wien stattfand, leitete eine neue Periode der internationalen, nun allerdings auf Europa fokussierten Zusammenarbeit ein. Nach der Aufnahme als assoziiertes Mitglied im Jahr 1988 erhielt der österreichische Sparkassensektor im Jahr 1995 gleichzeitig mit dem EU-Beitritt Österreichs die Voll-Mitgliedschaft bei der 1963 gegründeten Europäischen Sparkassenvereinigung (ESV).

Seit 1992 gibt es ein ständiges Büro des Sparkassenverbandes in Brüssel, das eng mit der ESV kooperiert. 1990 unterschrieben die europäischen Sparkassen eine Charta zur Zusammenarbeit, die sich auf viele Bereiche erstreckt.

Mit dem Bankwesengesetz 1994 wurden erstmals Richtlinien des europäischen Bankenrechts in das österreichische Recht übergeführt, u.a. für das Meldewesen, die Eigenmittelausstattung, die Kreditauszeichnung und den Konsumentenschutz.

Der Euro-Bus (hier in Kufstein um 2000) war ein wichtiger Bestandteil der Euro-Information der Sparkassen.

Der Euro-Bus (hier in Kufstein um 2000) war ein wichtiger Bestandteil der Euro-Information der Sparkassen.

Mit Basel II wurden neue Eigenkapitalrichtlinien eingeführt, die bei der Wirtschaftskrise 2008/09 bereits eine erste Bewährungsprobe hinter sich gebracht haben.

Die wichtigsten Konsequenzen einer Anpassung an das europäische Kreditrecht waren die Abschaffung bzw. das schrittweise Auslaufen der Anonymität bei Spareinlagen, der Haftung der Gemeinden für die Gemeindesparkassen und zuletzt auch eine Modifizierung des Bankgeheimnisses.

Mit diesem Plakat informierten die Sparkassen im Jahr 2000 über die Abschaffung der Anonymität bei Spareinlagen.

Mit diesem Plakat informierten die Sparkassen im Jahr 2000 über die Abschaffung der Anonymität bei Spareinlagen.

Auf der anderen Seite brachte das EU-Recht für die Kunden viele Verbesserungen des Konsumentenschutzes beispielsweise durch eine leichtere Vergleichbarkeit der Konditionen und Erleichterungen im grenzüberschreitenden Bankverkehr. Dafür wurde 2000 SEPA (Single Euro Payment Area) als ein System für einen gemeinsamen europäischen Zahlungsraum gegründet, dessen stufenweise Umsetzung für europaweit gleiche Überweisungen, Kartenzahlungen und Lastschriften seit Kurzem beendet ist.

Die österreichischen Sparkassen haben sich stets das Ziel gesetzt, ihre Kunden über diese Neuerungen und deren Vorteile rechtzeitig zu informieren. So haben sie nicht nur bei den einzelnen Einführungsphasen der SEPA-Instrumente, sondern auch bei der Währungsumstellung auf den Euro in den Jahren vor 2002 umfangreiche Aufklärungskampagnen gestartet. Diese wurden mit Informationsmaterial unterstützt und nahmen der Bevölkerung viel an der damals großen Angst vor der neuen Währung.

Der Vorstand der Erste Bank unter Andreas Treichl im Jahr 1998 mit dem damaligen Marketingchef und Pressesprecher Michael Ikrath (ganz rechts)

1989 – 1997: Neuformierung der Sparkassengruppe

Parallel zur Öffnung der Rechtsform musste eine neue Sektorverfassung geschaffen werden, weil das Nebeneinander der drei großen Wiener Mitgliedsinstitute Girozentrale bzw. GiroCredit, Erste Österreichische Spar-Casse und Zentralsparkasse keine Zukunftsperspektive bot.

Die Zentralsparkasse fusioniert zudem im Jahr 1991 mit der Österreichischen Länderbank und entfernte sich unter dem neuen Namen Bank Austria immer mehr vom Geschäftsmodell einer Sparkasse.

Die Hauptverantwortlichen für die Neustrukturierung des Sparkassensektors im Jahr 1997: Erste-Generaldirektor Konrad Fuchs (links) und sein Nachfolger Andreas Treichl (rechts), in der Mitte Bank Austria-Generaldirektor Gerhard Randa

Die Hauptverantwortlichen für die Neustrukturierung des Sparkassensektors im Jahr 1997: Erste-Generaldirektor Konrad Fuchs (links) und sein Nachfolger Andreas Treichl (rechts), in der Mitte Bank Austria-Generaldirektor Gerhard Randa

Im Oktober 1989 begann im Aufsichtsrat der Girozentrale die Diskussion um ein neues Finanzholding-Modell mit konsistenter Eigentümerstruktur unter Führung der Ersten, die bis März 1994 dauerte. Ziele der Holding sollten die Kapitalaufnahme von außen und die Poolung von Know-how sein.

Dieses Holdingmodell wurde vor allem von der Ersten forciert, die jedoch dabei am Übernahmepreis der Aktien scheiterte, die die Sparkassen an der GiroCredit hielten. Ein überraschendes Übernahmeangebot für diese Aktien durch die Bank Austria führten zu einem 56%-Anteil der Anteilsverwaltung Zentralsparkasse (AVZ) am sektoralen Spitzeninstitut.

Die GiroCredit wurde jedoch nicht fusioniert und blieb als Spitzeninstitut bestehen. Die Bank Austria und die Regionalsparkassen schlossen einen Kooperationsvertrag, der aber in der Folge kaum Auswirkungen auf das Sparkassengeschäft  brachte.

Die Vorstände der GiroCredit und der Ersten im Jahr 1997 kurz vor der Bekanntgabe der Fusion

Die Vorstände der GiroCredit und der Ersten im Jahr 1997 kurz vor der Bekanntgabe der Fusion

Die Regionalsparkassen hatten 1991 eine Arbeitsgemeinschaft (ARGE Regional) zur Wahrung ihrer Interessen geschlossen, die bis zu diesem Zeitpunkt die Mehrheit an der GiroCredit hielt.
Der nächste Paukenschlag in der Sparkassengeschichte erfolgte am 12.Jänner 1997. Nach erfolglosen Versuchen eines „Österreich Konsortiums“ unter Führung der Generali und der Ersten, die größte österreichische Bank, die Creditanstalt-Bankverein im Zuge ihrer Privatisierung, zu erwerben, gelang der Bank Austria übe-raschend auch der Kauf dieser Bank um rund 17 Mrd. Schilling (1,25 Mrd. Euro).

Zwei Monate später war sie aber aus kartellrechtlichen Gründen gezwungen, ihre GiroCredit-Aktien zum ursprünglichen Kaufpreis von knapp über 2 Mrd. Schilling (145 Mio Euro) der Ersten zu verkaufen.

Die Erste Österreichische Spar-Casse fusionierte darauf das Spitzeninstitut der Sparkassen noch im Oktober dieses Jahres und übernahm dessen Funktion als Spitzeninstitut unter dem neuen Namen Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen.

Die Bank Austria zog sich in der Folge schrittweise aus dem Sparkassensektor zurück und trat 2004 dem Bankenverband bei. Sie ist aber bis heute Mitglied des Fachverbandes der Sparkassen in der Wirtschaftskammer Österreich und der Sparkassen-Einlagensicherung.

Daher wurde zur Unterscheidung vom Sparkassensektor nach der Definition der Wirtschaftskammer ab diesem Jahr der Name „Sparkassengruppe“ verwendet.

Als erste gemeinsame Absichtserklärung für eine umfassende Kooperation unter-schrieben die Erste Bank und die Landeshauptstadtsparkassen einen Letter of Intent, der im Rahmen einer rentabilitätsorientierten Arbeitsteilung eine nachhaltige Verbesserung der Ertragssituation und der Marktposition der Sparkassen zum Ziel hatte.

Zugleich wurden vier Kernstrategien für die Sparkassengruppe erarbeitet, die die nächsten Jahre geprägt haben:
•    Strategie „Ein Ort – eine Sparkasse“
•    Gemeinsamer Marktauftritt
•    Neustrukturierung des Retail-Geschäfts
•    Einführung des Multi-Channel-Vertriebssystems

Fusionen verliefen nicht immer so harmonisch wie in diesem Fall der Zusammen-schluss zwischen Aspang und Neunkirchen im Jahr 2005

1979 – 1997: Die Sparkassen auf dem Weg ins 21. Jahrhundert

Die Jahre zwischen dem Inkrafttreten des Kreditwesengesetzes und des Sparkassengesetzes 1979 und der Neuformierung der Sparkassengruppe 1997 zählen zu den spannendsten und ereignisreichsten der Sparkassengeschichte, weil die neuen Gesetze umfangreiche Auswirkungen auf die traditionellen Sparkassenprinzipien der Eigentümerlosigkeit, der Regionalität und der Gemeinnützigkeit hatten.

Fusionen verliefen nicht immer so harmonisch wie in diesem Fall der Zusammen-schluss zwischen Aspang und Neunkirchen im Jahr 2005

Fusionen verliefen nicht immer so harmonisch wie in diesem Fall der Zusammen-schluss zwischen Aspang und Neunkirchen im Jahr 2005

Die Sparkassen konnten bis in die 1980er Jahre nur durch Gewinnzuführungen ihr Eigenkapital erhöhen. Aufgrund der Zunahme der Konkurrenz, der neuen Geschäftsfelder und der sinkenden Margen im Kreditgeschäft war eine Öffnung der alten Rechtsform der Sparkasse unbedingt notwendig.

1986 wurde vorerst im Bankwesengesetz die Möglichkeit für Sparkassen geschaffen, von außen Partizipations- und Ergänzungskapital aufzunehmen, was von zahlreichen Sparkassen wahrgenommen wurde.

Der nächste Schritt erfolgte 1989 mit der Möglichkeit, den operativen Bankbetrieb in eine Aktiengesellschaft auszulagern, wobei die Aktien von der in eine Anteilsverwaltungssparkasse umgewandelte Hülse der alten Sparkasse gehalten wurden.

Bis 1991 wandelten sich alle Landeshauptstadtsparkassen in AGs um, 1992 folgten die Erste österreichische Spar-Casse und viele mittlere Sparkassen. In den folgenden Jahren beteiligten sich viele größere Sparkassen an kleineren Instituten oder erwarben überhaupt die Aktienmehrheit.

Die Stiftung der Kärntner Sparkasse ist das Vorzeigemodell einer nachhaltig tätigen Sparkassenstiftung

Die Stiftung der Kärntner Sparkasse ist das Vorzeigemodell einer nachhaltig tätigen Sparkassenstiftung

Auch eine Beteiligung von sektorfremden juristischen und natürlichen Personen wurde erlaubt. Am Ende des Jahrhunderts bestand nur mehr ein Drittel der Sparkassen in der ursprünglichen Form.

1989 gab es eine Entscheidung des Finanzministeriums, wonach bei einer Fusion die Haftungsgemeinde einen fiktiven Liquidationserlös von der aufnehmenden Sparkasse erhalten konnte. Aus diesem Grund begann eine zweite Fusionswelle, bei der die Zahl der Sparkassen bis zum Jahr 2000 um 45 Prozent auf 69 Institute reduziert wurde.

Diese Fusionen wurden von einem sparkasseninternen Wettbewerb meist zwischen den Wiener Großsparkassen und den Landeshauptstadtsparkassen und Preisüberbietungen geprägt und brachten den Gemeinden rund 25 Milliarden Schilling an Liquidationserlösen. Das Regionalitätsprinzip war damit endgültig beseitigt.

Die Emission des Partizipations- und Ergänzungskapitals wurde in den Sparkassen heftig und erfolgreich beworben, hier von der Allgemeinen Sparkasse Oberösterreich

Die Emission des Partizipations- und Ergänzungskapitals wurde in den Sparkassen heftig und erfolgreich beworben, hier von der Allgemeinen Sparkasse Oberösterreich

Der letzte Schritt bezüglich der Öffnung der Rechtsform war die durch eine Novelle des Sparkassengesetzes 1999 geschaffene Möglichkeit, Anteilsverwaltungssparkassen durch formwechselnde Umwandlung in eine Privatstiftung einzubringen.

So konnte die Unabhängigkeit der Sparkassen vom politischen Einfluss gewährleistet und die Ausfallsbürgschaft der Haftungsgemeinden beendet werden. Zugleich wurde auch eine international verständliche Alternative zur Anteilsverwaltungssparkasse geschaffen. In den fünf folgenden Jahren wurden 30 Stiftungen geschaffen, womit zugleich ein neuer Weg für die Umsetzung des Gemeinnützigkeitsauftrages entstand.

Die Gemeinnützigkeit wurde unter dem internationalen Begriff „Corporate Social Responsibility“ neu definiert, worunter die soziale Verantwortung der Sparkassen gegenüber der Öffentlichkeit, der Zivilgesellschaft in ihrem regionalen Einzugsbereich, den Kunden und den Mitarbeitern subsumiert wurde. Dies wurde im neuen Jahrhundert durch die Herausgabe eines Sozialberichtes der Sparkassengruppe dokumentiert.

Die Figur des Sparefroh wurde schon von vielen Zeichnern gemalt, hier vier prägnante Beispiele aus den Jahren 1967 bis 2006.

Der Sparefroh – die Leitfigur der Sparkassenidee

Die Sparkassen und ihre Symbolfigur Sparefroh sind nun bald 60 Jahre untrennbar miteinander verbunden.

Das kleine Männchen wurde 1955 aus Deutschland „importiert“, entwickelte sich aber erst in Österreich zu dem, was es heute noch ist – zum personifizierten Spargedanken. Angeblich war der Sparefroh in den 1970er Jahren genau so bekannt wie der Bundespräsident.

Die Figur des Sparefroh wurde schon von vielen Zeichnern gemalt, hier vier prägnante Beispiele aus den Jahren 1967 bis 2006.

Die Figur des Sparefroh wurde schon von vielen Zeichnern gemalt, hier vier prägnante Beispiele aus den Jahren 1967 bis 2006.

Mit einer Auflage von fast 400.000 Exemplaren war „Hallo Sparefroh“ die größte Jugendzeitschrift Österreichs. Seine werbemäßigen Umsetzungen, die von Spardosen bis zu hochgelobten DVDs für die Finanzbildung der Kinder reichen, füllen inzwischen sogar ein kleines Museum in Wien.

Fast wäre er am Ende des vorigen Jahrhunderts in Vergessenheit geraten, doch zu seinem 50. Geburtstag holten ihn die Erste Bank und die Sparkassen 2005 wieder aus der Versenkung und ermöglichten ihm mit einem neuen Outfit ein fast sensationelles Comeback.

Er bleibt ein Freund der Kinder und ist inzwischen bereits bei der dritten Kundengeneration aus der Sparkassenwerbung nicht mehr wegzudenken.

Eine Szene von einem Weltspartag aus den 1960er Jahren. Erst die gestiegene Spargesinnung ermöglichte die Wirtschaftswunderjahre.

1955 – 1975: Die Sparkassen in den goldenen Jahren des Wirtschaftswunders

Die erfolgreichste Zeit der Sparkassengeschichte waren ohne Zweifel die Jahre zwischen dem Staatsvertrag 1955 und den „Ölschocks“ Mitte der 1970er Jahre.

Diese Jahre waren in Österreich auch die Jahre mit den höchsten Zuwachsraten der Konjunktur und werden heute noch als  Wirtschaftswunder bezeichnet.

Eine Szene von einem Weltspartag aus den 1960er Jahren. Erst die gestiegene Spargesinnung ermöglichte die Wirtschaftswunderjahre.

Eine Szene von einem Weltspartag aus den 1960er Jahren. Erst die gestiegene Spargesinnung ermöglichte die Wirtschaftswunderjahre.

Die Sparkassen haben diese Entwicklung mitgesteuert und zweifellos auch von ihr profitiert. Sie haben als erste Kreditinstitute 1952 die Spargesinnung der Bevölkerung u.a. durch die Wiedereinführung des Weltspartages geweckt und konnten so in den folgenden Jahren der Wirtschaft umfangreiche Mittel für Investitionen zur Verfügung stellen.

Die Aufgabenteilung der fünf Kreditsektoren (Aktienbanken, Sparkassen, Raiffeisenkassen, Volksbanken und Hypothekenanstalten) funktionierte damals sehr gut. Die Sparkassen waren für die mittelständische Wirtschaft, den Wohnbau und die Gemeinden zuständig und leisteten in diesen Bereichen einen bedeutenden Beitrag für deren Wiederaufbau und dynamische Entwicklung.

Die Sparkassen haben in diesen Jahren auch ihr Netz stark ausgeweitet und konnten ihre Standorte in diesen Jahrzehnten fast verzehnfachen. Damit wurden auch entlegene Regionen mit ihren Dienstleistungen versorgt.

Im Jahr 1967 wurde die Sparinvest gegründet, die erstmals Sparkassenkunden Wertpapiere anbot.

Im Jahr 1967 wurde die Sparinvest gegründet, die erstmals Sparkassenkunden Wertpapiere anbot.

Außerdem begannen sie ab Mitte der 1960er Jahre ihren Privatkunden neue Produkte anzubieten. Vorerst waren dies das Girokonto und die Produkte des bargeldlosen Zahlungsverkehrs, es folgten die ersten Investmentfonds, neue Sparformen wie das Prämiensparen und die Privatkredite. Damit erfolgte auch ein Umdenken in den Köpfen der Sparkassenleitungen, die bis dahin ihren Kunden stets empfohlen hatte, den Kauf neuer Konsumgüter nur durch Sparen zu finanzieren. Nun propagierte man erstmals die Vorausfinanzierung durch Darlehen und Kredite.

Mit der Einführung der Automation konnte man die Abwicklung des Spar- und Zahlungsverkehrs beschleunigen und den Kunden ihre Geldleben vereinfachen. Last but not least begannen die Sparkassen in diesen Jahrzehnten mit einer umfangreichen Ausbildung ihrer Mitarbeiter und mit der Einrichtung von zahlreichen Ausschüssen, in denen Vertreter aller Sparkassen durch Erfahrungsaustausch und Zusammenarbeit die Qualität ihrer Leistungen steigern konnten.

Ein Ergebnis war eine bessere Servicequalität und ein aktives Anbieten von Produkten. Bis dahin hatte man sich darauf beschränkt, Produktnachfragen der Kunden zu erfüllen, aber die Dienstleistungen nicht aktiv anzubieten.

Die Sparkassentage waren machtvolle Demonstrationen der Sparkassenidee.

1979: Die Sparkassen werden Universalbanken

Kein Ereignis hat die Geschäftstätigkeit der Sparkassen so stark beeinflusst und verändert wie das Inkrafttreten des Kreditwesengesetzes 1979 und des gleichzeitig damit erlassenen Sparkassengesetzes.

Bis dahin galten als Rechtsgrundlagen teilweise noch das Sparkassenregulativ 1844, die Satzungen 1936 aus dem „Ständestaat“ und das aus der nationalsozialistischen Zeit stammende Kreditwesengesetz 1941. Die Tätigkeit der meisten Sparkassen war im Wesentlichen auf das Spareinlagen- und Hypothekardarlehensgeschäft sowie auf diverse Dienstleistungen beschränkt.

Als Universalbanken konnten sich die Sparkassen gemeinsam mit der Girozentrale auch dem Exportgeschäft widmen.

Als Universalbanken konnten sich die Sparkassen gemeinsam mit der Girozentrale auch dem Exportgeschäft widmen.

Mit den beiden Gesetzen veränderte sich ab 1980 die gesamte Kreditwirtschaft nachhaltig. Anstelle der Regulierung wurde eine weitgehende Liberalisierung der Bankgeschäfte eingeführt, wodurch allen Kreditinstitutssektoren die gesamte Palette des Zins- und Dienstleistungsgeschäftes erlaubt wurde.

Auch die Sparkassen wurden damit Universalbanken, unterlagen keinerlei Beschränkungen ihrer Geschäftstätigkeit und waren den Aktienbanken bald auch im Emissions-, Pfandbrief-, Investment-, Kapitalbeteiligungs- und Factoringgeschäft gleichgestellt.

Gleichzeitig trat ein Expertensystem an die Stelle des Funktionärssystems und die vielfach noch ehrenamtlichen Direktionen wurden durch hauptamtliche Vorstände ersetzt, die aus mindestens zwei Personen bestehen mussten.

Die Sparkasse Mühlviertel West gilt als Paradefall einer regionalen Fusion. 1981 schlossen sich fünf kleinere Sparkassen dieser Region zusammen und wurden eine starken Regionalbank.

Die Sparkasse Mühlviertel West gilt als Paradefall einer regionalen Fusion. 1981 schlossen sich fünf kleinere Sparkassen dieser Region zusammen und wurden eine starken Regionalbank.

Durch diese Veränderung der Aufgabenstellung gab es rasch Konsequenzen in der Standortpolitik. Die Zahl der Zweigstellen nahm zwar weiterhin zu und erreichte 1992 mit 1534 den Höhepunkt. Die Zahl der Hauptanstalten ging jedoch zurück, kleinere Sparkassen waren nun überfordert und schlossen sich regional zusammen.

In einigen Fällen wurden sie schon damals von den Wiener Großsparkassen oder den größeren Instituten ihrer Bundesländer fusioniert. Anfang 1979 gab es noch 163 selbständige Sparkassen, Ende 1983 nur mehr 128.

Die Zentralsparkasse der Gemeinde Wien und die Erste österreichische Spar-Casse nützten die Liberalisierung und waren in den ersten 1980er Jahren in allen Bundesländern mit Zweigstellen vertreten.

Damit war auch das freiwillig eingehaltene Regionalitätsprinzip Vergangenheit. Die Girozentrale, das Spitzeninstitut der Sparkassen verlor den verpflichtenden Liquiditätsverbund mit den Sparkassen und ihre Monopolstellung bei vielen Aufgaben. Teilweise wurde sie sogar ein Konkurrent der Sparkassen.

Das führte zu einer langen Strukturdiskussion im Sparkassensektor, die erst 1997 beendet wurde.
Die beiden Gesetze des Jahres 1979 waren auch für die Sicherheit der Kunden sehr wichtig. Durch neue Regelungen über das Eigenkapital waren alle Banken besser vor Insolvenzen geschützt, es wurden zudem Haftungseinrichtungen gegründet und viele Normen zum Konsumentenschutz festgelegt.

Die mittleren und kleinen Sparkassen waren über die umfangreichen Neuerungen anfangs keineswegs glücklich. Erst langsam erkannten sie die Chancen, die sie nun nützen konnten, und zugleich die Gefahren, die der Universalbankstatus für sie brachte. 1980 begann jedenfalls eine neue Periode der Sparkassengeschichte.

Der kleine Sparer“ wurde zwischen 1928 und 1976 mit einer Unterbrechung im Zweiten Weltkrieg herausgegeben.

1873 – 2014: Von der Sparerziehung der Sparkassen zu Financial Literacy

Von allen Aufgaben, die die Sparkassen im Rahmen ihres gemeinnützigen Auftrages bis in die 1980er Jahre erfüllt haben, hatte wahrscheinlich die Spar- und Wirtschaftserziehung der Jugend den nachhaltigsten Effekt.

Wie wichtig diese Aufgabe war, zeigen die alarmierenden Meldungen über die finanziellen Probleme der derzeitigen Jugendgeneration, die zu der EU-weiten Forderung einer Forcierung der Finanzbildung (Financial Literacy) geführt haben.

Das Symbol der Spar- und Wirtschaftserziehung war und ist der Sparefroh.

Das Symbol der Spar- und Wirtschaftserziehung war und ist der Sparefroh.

Die Idee der Zusammenarbeit zwischen Sparkassen und Schulbehörden geht weit ins 19.Jahrhundert zurück. In Österreich wurde sie erstmals bei der Wiener Weltausstellung 1873 präsentiert.

1875 gab es in Horn die erste Schulsparkasse, die von der dortigen Sparkasse betreut wurde. In den folgenden Jahrzehnten gab es immer wieder kurzfristig erfolgreiche Initiativen, die Schulen in die Sparerziehung einzubeziehen. Die Einführung der Heimsparkassen und der Sparmarken, die von den Lehrern als Nachweis für einbezahlte Sparbeträge ausgegeben wurden, sowie die Herausgabe einer ersten Zeitschrift für die „kleinen Sparer“ gehen auf diese Zeit zurück. Leider gab es immer wieder Unterbrechungen dieser Versuche aufgrund der wirtschaftlichen Katastrophen der Zeit bis 1950.

Eine Schulklasse bei einem Vortrag eines Sparkassenmitarbeiters mit der Zeitschrift „Sparefroh“. Sie hatte 1972 eine Spitzenauflage von 380.000 Exemplaren.

Eine Schulklasse bei einem Vortrag eines Sparkassenmitarbeiters mit der Zeitschrift „Sparefroh“. Sie hatte 1972 eine Spitzenauflage von 380.000 Exemplaren.

Die Blütezeit der Spar- und Wirtschaftserziehung fällt in die Jahre 1952 bis 1990, besonders als die Sparkassen in das Schulorganisationsgesetz 1962 einbezogen wurden und sie den Schulen Materialien für den Unterrichtsgegenstand Wirtschaftskunde liefern mussten.

In diesen Jahrzehnten wurden praktisch alle Pflichtschulklassen und zum Teil auch Kindergartengruppen von einem Kreditinstitut betreut, wobei dies in der überwiegenden Zahl Sparkassen waren. Es gab und gibt zum Teil noch immer Jugendspartage und eine Jugendsparwoche vor dem Weltspartag.

In den Schulen wurde das Klassen-, Groschen- und Einzelsparen forciert, und 1955 schufen die Sparkassen mit dem Sparefroh ein Symbol für diese Aufgabe. Die Spar- und Wirtschaftserziehung wurde mit der Herausgabe von Zeitschriften wie dem „Sparefroh“, mit Vorträgen von Sparkassenmitarbeitern in den Schulen u.a. für die Berufsvorbereitung, mit gesponserten kulturellen Veranstaltungen für Jugendliche und mit einer noch immer bestehenden Zusammenarbeit mit der „Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft und Schule“ (AWS) verstärkt. Am Ende des vorigen Jahrhunderts wurden die meisten Aktivitäten aus unterschiedlichen Gründen eingestellt.

Es gab zahlreiche Tagungen, bei den Sparkassenvertreter mit Pädagogen und Vertretern des Unterrichtsministerium die Grundsätze der Wirtschaftserziehung diskutierten.

Es gab zahlreiche Tagungen, bei den Sparkassenvertreter mit Pädagogen und Vertretern des Unterrichtsministerium die Grundsätze der Wirtschaftserziehung diskutierten.

Auf Grund der eingangs erwähnten Probleme gab es vor rund 10 Jahren einen Neubeginn der Aktivitäten unter dem Begriff „Financial Literacy“. Die Sparkassen unterstützten die Bundesregierung, die ein Internetprogramm für Jugendliche unter dem Namen „Finanzführerschein“ schuf, mit zahlreichen Initiativen.

Hervorzuheben ist die mehrteilige DVD-Reihe des Sparefroh-TV, in der Kindern in Comicform die Grundbegriffe der Wirtschaft nähergebracht werden, die Ausbildung von Sparkassenmitarbeitern für Vorträge in den Schulen und die Herausgabe von Lehrunterlagen durch die AWS. Schließlich bemüht sich auch die Plattform spark7, den Jugendlichen den Einstieg in ihr Geldleben zu erleichtern.

Mitarbeitergruppe der Salzburger Sparkasse. Der hohe Frauenanteil lässt sich darauf zurückführen, dass das Bild 1917 mitten im Ersten Weltkrieg aufgenommen wurde.

1819 – 2014: Das ehrenamtliche und angestellte Personal der Sparkassen

In den Sparkassen gab es in den 195 Jahren ihrer Geschichte eine Arbeitsteilung zwischen ehrenamtlichem und angestelltem Personal, wobei die Verantwortung für das Geschäft im 20. Jahrhundert zunehmend auf die Angestellten, lange Zeit Beamte genannt, überging.

Mitarbeitergruppe der Salzburger Sparkasse. Der hohe Frauenanteil lässt sich darauf zurückführen, dass das Bild 1917 mitten im Ersten Weltkrieg aufgenommen wurde.

Mitarbeitergruppe der Salzburger Sparkasse. Der hohe Frauenanteil lässt sich darauf zurückführen, dass das Bild 1917 mitten im Ersten Weltkrieg aufgenommen wurde.

In der Gründungsphase bestanden nicht nur die Aufsichtsorgane, sondern auch die Direktionen der Sparkassen aus ehrenamtlichen Funktionären. Nur für Aufgaben des Rechnungswesens, als Kassiere und für Hilfsdienste wurden Beamte aufgenommen. Diese wurden so genannt, weil ihr Dienstrecht dem der Gemeinden angepasst war.

Konditionen und Darlehensgenehmigungen waren vor allem in kleineren Instituten bis zum Sparkassengesetz 1979 Aufgabe der Funktionäre. In den größeren Instituten gab es schon ab Beginn des 20. Jahrhunderts angestellte Sparkassenleiter, die sukzessive die Geschäftsverantwortung übernahmen.

Ab 1979 trat der hauptamtliche, aus mindestens zwei Personen bestehende Vorstand generell an die Stelle der Funktionäre. Ehrenamtliche Funktionäre gibt es aber noch immer in den Aufsichts- und Sparkassenräten.
Die angestellten Sparkassenmitarbeiter waren im 19. Jahrhundert noch relativ schlecht bezahlt, selbst ein Sparkassenleiter verdiente um 1900 nach 15-jähriger Dienstzeit durchschnittlich umgerechnet 10.000 Euro im Jahr.  Es gab damals 900 Beamte, davon 400 bei den Wiener Instituten.

Ein typischer Arbeitsraum in einer Sparkasse der 1930er Jahre

Ein typischer Arbeitsraum in einer Sparkasse der 1930er Jahre

Der erste Kollektivvertrag für alle Sparkassen und ein einheitliches Besoldungsschema für alle Angestellten wurden erstmals 1949 verhandelt. In der 2.Republik gehörten die Sparkassen-Angestellten dank der hohen Gewinne, die zum Teil an die Mitarbeiter weitergegeben wurden, lange Zeit zu den bestbezahltesten aller Branchen.

Mit der Erweiterung der Standorte stieg auch der Personalstand stark an, 1993 wurde der Höchststand mit über 26.000 Angestellten erreicht. Eine Definitivstellung für Führungskräfte gab es bereits in der Gründungsphase, ab 1961 wurde diese Besserstellung obligatorisch für jeweils 70 % aller Angestellten.

Da das hohe Gehaltsniveau gegen Ende des 20. Jahrhunderts ein Wettbewerbsnachteil wurde, gab es nach 1998 zahlreiche personalpolitische Veränderungen, wie zum Beispiel Schemata mit verflachten Gehaltskurven und Auslagerungen der Pensionen in die Pensionskassen.

Die Sparkassenmitarbeiter genossen ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts eine gediegene Ausbildung. Im Kollektivvertrag 1949 wurde eine Prüfungsordnung für eine dreistufige Ausbildung eingeführt, dazu kamen noch Fachseminare, Fachtagungen und Spezialausbildungen des Sparkassenverbandes und der größeren Institute.

Seminarszene

Seminarszene

Ab 2000 wurde die gesamte Ausbildung in der Sparkassen-Akademie konzentriert.

Diese gute Personalpolitik trug auch Früchte. Viele Sparkassen errangen in den letzten Jahren Preise für ihre gute Unternehmens- und Mitarbeiterkultur, z.B. bei der Wahl des „Victor – Bank des Jahres“ oder beim Wettbewerb „Great Place to Work“, bzw.  wurden für ihre medizinische Betreuung ausgezeichnet.

In den Jahren zwischen 1960 und 1990 gab es ein Dutzend Zeitschriften für alle Kundenzielgruppen, u. a. einige Jugendzeitschriften.

1819 – 1997: Die Sparkassen werben und informieren ihre Kunden

Die Kundeninformation gehörte in den 195 Jahren ihrer Geschichte zu den wichtigsten Aufgaben der Sparkassen.

Bereits bei ihrer Gründung wurde durch Inserate in den Zeitungen und in Aushängen die Adresse, die Öffnungszeiten, die Angebote und die Zinssätze bekanntgegeben. Bis in die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg informierte man Kunden weiterhin durch amtliche Mitteilungen, Kundmachungen und gelegentliche Inserate, wenn es wichtige Veränderungen in der Geschäftsabwicklung gab.

Das Weltspartagsplakat 1925 war die erste gemeinsame (friedliche) Werbeaktion der Sparkassen.

Das Weltspartagsplakat 1925 war die erste gemeinsame (friedliche) Werbeaktion der Sparkassen.

Der erste Weltspartag des Jahres 1925 war – von den Kriegsanleihen abgesehen –  der erste Anlass für eine umfangreiche Werbe- bzw. (wie man damals sagte) Propagandakampagne für die Notwendigkeit der Spargesinnung.

In der Zweiten Republik gab es durch die zunehmende Konkurrenzsituation in der Kreditwirtschaft und die neuen Produkte ein völliges Umdenken. 1952 wurde der Sparkassenverlag gegründet, womit Werbung und Information einen wesentlich höheren Stellenwert erhielten.

Langsam entdeckte man die eigenen Schaufenster, die Werbeflächen in den Eisenbahnzügen, Autobussen und Straßenbahnen, das Radio sowie das Vorprogramm in den  Kinos für Informationen und Werbungen. Es gab aber innerhalb des Sparkassensektors noch immer heftige Diskussionen, ob Werbung für Sparkassendienstleistungen überhaupt notwendig sei.

Einer der ersten Versuche für eine Schaufenster Werbung – Allgemeine Sparkasse Linz 1964

Einer der ersten Versuche für eine Schaufenster Werbung – Allgemeine Sparkasse Linz 1964

Erst in den 1970er Jahren setzte sich langsam eine gemeinsame sektorale Werbe- und Informationslinie durch, die größeren Institute gingen jedoch bis 2000 meist eigene Wege.

Seitens der Zentralstellen gab ein Dutzend Kundenzeitungen für unterschiedliche Zielgruppen, Informationsbroschüren, Anbote für Incentives und umfangreiche Plakatserien.

Es wurden Slogans entwickelt, deren bekanntester „Wir wissen wie der Hase läuft“ war. Mit dem Fernsehen gab es ein neues Medium, das aber anfangs mehr für Jugend-Informationssendungen im Rahmen des Schulfernsehens und erst ab den späten 1980er Jahren auch für Werbung verwendet wurde.

1986 wurden die ersten Informationsterminals in den Selbstbedienungszonen aufgestellt, die die erste zeitungebundene Alternative zur Beratung in den Kassenräumen während der Öffnungszeiten waren.

Das erste Werbeplakat für das netbanking.

Das erste Werbeplakat für das netbanking.

Ein weiterer Meilenstein wurde ab Mitte der 1990er Jahre die Nutzung des Internets. Am Weltspartag 1996 wurde die erste Homepage www.sparkasse.at eingerichtet.

Ein Jahr später starteten das netbanking und das Telefon-Banking, womit der Heim-PC und das Handy auch als weitere Informationsquellen genutzt werden konnten.

Mit dem erste Weltspartag nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1952 (hier in Linz) setzte wieder eine Aufbruchstimmung und Optimismus für eine Erholung der Wirtschaft ein.

1931 bis 1955: Die Sparkassen in den Jahren der politischen Umbrüche

Nach den wirtschaftlichen folgten nun die Schwierigkeiten durch die politischen Entwicklungen der Jahre bis zum Staatsvertrag 1955.

Durch die Umwandlung Österreichs von einer demokratischen Republik zum Ständestaat im Jahr 1934 fand vor allem bei den sozialdemokratisch orientierten Gemeindesparkassen ein umfangreicher Wechsel in den Führungsebenen und eine Verlagerung der Geschäftsfelder statt.

Dr. Hans Stigleitner war von 1928 bis 1939 Verbandsanwalt des Reichsverbandes der Sparkassen und leitete dann bis 1945 die Erste österreichische Spar-Casse

Dr. Hans Stigleitner war von 1928 bis 1939 Verbandsanwalt des Reichsverbandes der Sparkassen und leitete dann bis 1945 die Erste österreichische Spar-Casse

Diese Jahre wurden vor allem von Dr. Hans Stigleitner geprägt, der von 1928 bis 1939 den Reichsverband und dann bis 1945 die Erste österreichische Spar-Casse führte. Er war einerseits ein exzellenter Wirtschafts- und Sparkassenexperte, der im Ständestaat den Sparkassen einen neuen rechtlichen Rahmen gab und nach 1938 gegen den Willen der Nationalsozialisten ihre  Rechtsform erhalten konnte, anderseits politisch sehr umstritten war. Die Sparkassen drifteten zunehmend ins deutschnationale Lager ab.

Im Zweiten Weltkrieg wurden die Sparkassen als Instrument des Nationalsozialismus missbraucht bzw. stellten sich freiwillig als solches zur Verfügung, auch weil die NS-Bürgermeister in vielen Instituten an der Spitze standen und das gesamte Geld der Sparer der Kriegsfinanzierung zur Verfügung stellten.

Sparen war im Zweiten Weltkrieg nationale Pflicht. Es gab dafür zahlreiche Plakate und Werbeaktionen.

Sparen war im Zweiten Weltkrieg nationale Pflicht. Es gab dafür zahlreiche Plakate und Werbeaktionen.

Sparen war im Zweiten Weltkrieg eine nationale Pflicht, die Einlagen erreichten Höchststände. Die Menschen übersahen jedoch, dass sie nicht für versprochene Urlaubsreisen und Autos sparten, sondern den Krieg finanzierten.

Das Kriegsende war für die Sparkassen katastrophal. Viele ihrer Gebäude wurden zerstört, das Geld von den Besatzmächten eingezogen, die Führungskräfte mussten aus politischen Gründen ausgetauscht werden und der gesamte Betrieb ruhte 1945 monatelang. Die Spareinlagen mussten dann durch währungspolitische Maßnahmen abgeschöpft werden, so dass die Menschen wie nach dem Ersten Weltkrieg abermals ihre Ersparnisse fast zur Gänze verloren.

Die Abwicklung der währungspolitischen Maßnahmen der Nachkriegszeit war sehr kompliziert, die Sparer verloren aber wieder ihr gesamtes Geld.

Die Abwicklung der währungspolitischen Maßnahmen der Nachkriegszeit war sehr kompliziert, die Sparer verloren aber wieder ihr gesamtes Geld.

Das Schillinggesetz 1945 und das Währungsschutzgesetz 1947 waren zwar staatliche Gesetze, mussten aber von den Banken und Sparkassen zum Unmut und Unverständnis der Menschen abgewickelt werden. Wieder mussten die Sparkassen langsam das Vertrauen ihrer Kunden wieder aufbauen, was ihnen aber erst nach der Wiedereinführung des Weltspartages ab 1952 gelang.

Zuvor konnten sie viele Jahre nicht einmal bilanzieren, weil die Aktivseiten ihrer Bilanzen erst von den wertlosen Wertpapieren der NS-Zeit bereinigt werden mussten. Mit dem Rekonstruktionsgesetz 1954 wurde endgültig die Basis für die Goldenen Sparkassenjahre der folgenden Jahrzehnte gelegt.