Der Vorstand der Erste Bank unter Andreas Treichl im Jahr 1998 mit dem damaligen Marketingchef und Pressesprecher Michael Ikrath (ganz rechts)

1989 – 1997: Neuformierung der Sparkassengruppe

Parallel zur Öffnung der Rechtsform musste eine neue Sektorverfassung geschaffen werden, weil das Nebeneinander der drei großen Wiener Mitgliedsinstitute Girozentrale bzw. GiroCredit, Erste Österreichische Spar-Casse und Zentralsparkasse keine Zukunftsperspektive bot.

Die Zentralsparkasse fusioniert zudem im Jahr 1991 mit der Österreichischen Länderbank und entfernte sich unter dem neuen Namen Bank Austria immer mehr vom Geschäftsmodell einer Sparkasse.

Die Hauptverantwortlichen für die Neustrukturierung des Sparkassensektors im Jahr 1997: Erste-Generaldirektor Konrad Fuchs (links) und sein Nachfolger Andreas Treichl (rechts), in der Mitte Bank Austria-Generaldirektor Gerhard Randa

Die Hauptverantwortlichen für die Neustrukturierung des Sparkassensektors im Jahr 1997: Erste-Generaldirektor Konrad Fuchs (links) und sein Nachfolger Andreas Treichl (rechts), in der Mitte Bank Austria-Generaldirektor Gerhard Randa

Im Oktober 1989 begann im Aufsichtsrat der Girozentrale die Diskussion um ein neues Finanzholding-Modell mit konsistenter Eigentümerstruktur unter Führung der Ersten, die bis März 1994 dauerte. Ziele der Holding sollten die Kapitalaufnahme von außen und die Poolung von Know-how sein.

Dieses Holdingmodell wurde vor allem von der Ersten forciert, die jedoch dabei am Übernahmepreis der Aktien scheiterte, die die Sparkassen an der GiroCredit hielten. Ein überraschendes Übernahmeangebot für diese Aktien durch die Bank Austria führten zu einem 56%-Anteil der Anteilsverwaltung Zentralsparkasse (AVZ) am sektoralen Spitzeninstitut.

Die GiroCredit wurde jedoch nicht fusioniert und blieb als Spitzeninstitut bestehen. Die Bank Austria und die Regionalsparkassen schlossen einen Kooperationsvertrag, der aber in der Folge kaum Auswirkungen auf das Sparkassengeschäft  brachte.

Die Vorstände der GiroCredit und der Ersten im Jahr 1997 kurz vor der Bekanntgabe der Fusion

Die Vorstände der GiroCredit und der Ersten im Jahr 1997 kurz vor der Bekanntgabe der Fusion

Die Regionalsparkassen hatten 1991 eine Arbeitsgemeinschaft (ARGE Regional) zur Wahrung ihrer Interessen geschlossen, die bis zu diesem Zeitpunkt die Mehrheit an der GiroCredit hielt.
Der nächste Paukenschlag in der Sparkassengeschichte erfolgte am 12.Jänner 1997. Nach erfolglosen Versuchen eines „Österreich Konsortiums“ unter Führung der Generali und der Ersten, die größte österreichische Bank, die Creditanstalt-Bankverein im Zuge ihrer Privatisierung, zu erwerben, gelang der Bank Austria übe-raschend auch der Kauf dieser Bank um rund 17 Mrd. Schilling (1,25 Mrd. Euro).

Zwei Monate später war sie aber aus kartellrechtlichen Gründen gezwungen, ihre GiroCredit-Aktien zum ursprünglichen Kaufpreis von knapp über 2 Mrd. Schilling (145 Mio Euro) der Ersten zu verkaufen.

Die Erste Österreichische Spar-Casse fusionierte darauf das Spitzeninstitut der Sparkassen noch im Oktober dieses Jahres und übernahm dessen Funktion als Spitzeninstitut unter dem neuen Namen Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen.

Die Bank Austria zog sich in der Folge schrittweise aus dem Sparkassensektor zurück und trat 2004 dem Bankenverband bei. Sie ist aber bis heute Mitglied des Fachverbandes der Sparkassen in der Wirtschaftskammer Österreich und der Sparkassen-Einlagensicherung.

Daher wurde zur Unterscheidung vom Sparkassensektor nach der Definition der Wirtschaftskammer ab diesem Jahr der Name „Sparkassengruppe“ verwendet.

Als erste gemeinsame Absichtserklärung für eine umfassende Kooperation unter-schrieben die Erste Bank und die Landeshauptstadtsparkassen einen Letter of Intent, der im Rahmen einer rentabilitätsorientierten Arbeitsteilung eine nachhaltige Verbesserung der Ertragssituation und der Marktposition der Sparkassen zum Ziel hatte.

Zugleich wurden vier Kernstrategien für die Sparkassengruppe erarbeitet, die die nächsten Jahre geprägt haben:
•    Strategie „Ein Ort – eine Sparkasse“
•    Gemeinsamer Marktauftritt
•    Neustrukturierung des Retail-Geschäfts
•    Einführung des Multi-Channel-Vertriebssystems