Die Sparkassentage waren machtvolle Demonstrationen der Sparkassenidee.

1979: Die Sparkassen werden Universalbanken

Kein Ereignis hat die Geschäftstätigkeit der Sparkassen so stark beeinflusst und verändert wie das Inkrafttreten des Kreditwesengesetzes 1979 und des gleichzeitig damit erlassenen Sparkassengesetzes.

Bis dahin galten als Rechtsgrundlagen teilweise noch das Sparkassenregulativ 1844, die Satzungen 1936 aus dem „Ständestaat“ und das aus der nationalsozialistischen Zeit stammende Kreditwesengesetz 1941. Die Tätigkeit der meisten Sparkassen war im Wesentlichen auf das Spareinlagen- und Hypothekardarlehensgeschäft sowie auf diverse Dienstleistungen beschränkt.

Als Universalbanken konnten sich die Sparkassen gemeinsam mit der Girozentrale auch dem Exportgeschäft widmen.

Als Universalbanken konnten sich die Sparkassen gemeinsam mit der Girozentrale auch dem Exportgeschäft widmen.

Mit den beiden Gesetzen veränderte sich ab 1980 die gesamte Kreditwirtschaft nachhaltig. Anstelle der Regulierung wurde eine weitgehende Liberalisierung der Bankgeschäfte eingeführt, wodurch allen Kreditinstitutssektoren die gesamte Palette des Zins- und Dienstleistungsgeschäftes erlaubt wurde.

Auch die Sparkassen wurden damit Universalbanken, unterlagen keinerlei Beschränkungen ihrer Geschäftstätigkeit und waren den Aktienbanken bald auch im Emissions-, Pfandbrief-, Investment-, Kapitalbeteiligungs- und Factoringgeschäft gleichgestellt.

Gleichzeitig trat ein Expertensystem an die Stelle des Funktionärssystems und die vielfach noch ehrenamtlichen Direktionen wurden durch hauptamtliche Vorstände ersetzt, die aus mindestens zwei Personen bestehen mussten.

Die Sparkasse Mühlviertel West gilt als Paradefall einer regionalen Fusion. 1981 schlossen sich fünf kleinere Sparkassen dieser Region zusammen und wurden eine starken Regionalbank.

Die Sparkasse Mühlviertel West gilt als Paradefall einer regionalen Fusion. 1981 schlossen sich fünf kleinere Sparkassen dieser Region zusammen und wurden eine starken Regionalbank.

Durch diese Veränderung der Aufgabenstellung gab es rasch Konsequenzen in der Standortpolitik. Die Zahl der Zweigstellen nahm zwar weiterhin zu und erreichte 1992 mit 1534 den Höhepunkt. Die Zahl der Hauptanstalten ging jedoch zurück, kleinere Sparkassen waren nun überfordert und schlossen sich regional zusammen.

In einigen Fällen wurden sie schon damals von den Wiener Großsparkassen oder den größeren Instituten ihrer Bundesländer fusioniert. Anfang 1979 gab es noch 163 selbständige Sparkassen, Ende 1983 nur mehr 128.

Die Zentralsparkasse der Gemeinde Wien und die Erste österreichische Spar-Casse nützten die Liberalisierung und waren in den ersten 1980er Jahren in allen Bundesländern mit Zweigstellen vertreten.

Damit war auch das freiwillig eingehaltene Regionalitätsprinzip Vergangenheit. Die Girozentrale, das Spitzeninstitut der Sparkassen verlor den verpflichtenden Liquiditätsverbund mit den Sparkassen und ihre Monopolstellung bei vielen Aufgaben. Teilweise wurde sie sogar ein Konkurrent der Sparkassen.

Das führte zu einer langen Strukturdiskussion im Sparkassensektor, die erst 1997 beendet wurde.
Die beiden Gesetze des Jahres 1979 waren auch für die Sicherheit der Kunden sehr wichtig. Durch neue Regelungen über das Eigenkapital waren alle Banken besser vor Insolvenzen geschützt, es wurden zudem Haftungseinrichtungen gegründet und viele Normen zum Konsumentenschutz festgelegt.

Die mittleren und kleinen Sparkassen waren über die umfangreichen Neuerungen anfangs keineswegs glücklich. Erst langsam erkannten sie die Chancen, die sie nun nützen konnten, und zugleich die Gefahren, die der Universalbankstatus für sie brachte. 1980 begann jedenfalls eine neue Periode der Sparkassengeschichte.