Eine Szene von einem Weltspartag aus den 1960er Jahren. Erst die gestiegene Spargesinnung ermöglichte die Wirtschaftswunderjahre.

1955 – 1975: Die Sparkassen in den goldenen Jahren des Wirtschaftswunders

Die erfolgreichste Zeit der Sparkassengeschichte waren ohne Zweifel die Jahre zwischen dem Staatsvertrag 1955 und den „Ölschocks“ Mitte der 1970er Jahre.

Diese Jahre waren in Österreich auch die Jahre mit den höchsten Zuwachsraten der Konjunktur und werden heute noch als  Wirtschaftswunder bezeichnet.

Eine Szene von einem Weltspartag aus den 1960er Jahren. Erst die gestiegene Spargesinnung ermöglichte die Wirtschaftswunderjahre.

Eine Szene von einem Weltspartag aus den 1960er Jahren. Erst die gestiegene Spargesinnung ermöglichte die Wirtschaftswunderjahre.

Die Sparkassen haben diese Entwicklung mitgesteuert und zweifellos auch von ihr profitiert. Sie haben als erste Kreditinstitute 1952 die Spargesinnung der Bevölkerung u.a. durch die Wiedereinführung des Weltspartages geweckt und konnten so in den folgenden Jahren der Wirtschaft umfangreiche Mittel für Investitionen zur Verfügung stellen.

Die Aufgabenteilung der fünf Kreditsektoren (Aktienbanken, Sparkassen, Raiffeisenkassen, Volksbanken und Hypothekenanstalten) funktionierte damals sehr gut. Die Sparkassen waren für die mittelständische Wirtschaft, den Wohnbau und die Gemeinden zuständig und leisteten in diesen Bereichen einen bedeutenden Beitrag für deren Wiederaufbau und dynamische Entwicklung.

Die Sparkassen haben in diesen Jahren auch ihr Netz stark ausgeweitet und konnten ihre Standorte in diesen Jahrzehnten fast verzehnfachen. Damit wurden auch entlegene Regionen mit ihren Dienstleistungen versorgt.

Im Jahr 1967 wurde die Sparinvest gegründet, die erstmals Sparkassenkunden Wertpapiere anbot.

Im Jahr 1967 wurde die Sparinvest gegründet, die erstmals Sparkassenkunden Wertpapiere anbot.

Außerdem begannen sie ab Mitte der 1960er Jahre ihren Privatkunden neue Produkte anzubieten. Vorerst waren dies das Girokonto und die Produkte des bargeldlosen Zahlungsverkehrs, es folgten die ersten Investmentfonds, neue Sparformen wie das Prämiensparen und die Privatkredite. Damit erfolgte auch ein Umdenken in den Köpfen der Sparkassenleitungen, die bis dahin ihren Kunden stets empfohlen hatte, den Kauf neuer Konsumgüter nur durch Sparen zu finanzieren. Nun propagierte man erstmals die Vorausfinanzierung durch Darlehen und Kredite.

Mit der Einführung der Automation konnte man die Abwicklung des Spar- und Zahlungsverkehrs beschleunigen und den Kunden ihre Geldleben vereinfachen. Last but not least begannen die Sparkassen in diesen Jahrzehnten mit einer umfangreichen Ausbildung ihrer Mitarbeiter und mit der Einrichtung von zahlreichen Ausschüssen, in denen Vertreter aller Sparkassen durch Erfahrungsaustausch und Zusammenarbeit die Qualität ihrer Leistungen steigern konnten.

Ein Ergebnis war eine bessere Servicequalität und ein aktives Anbieten von Produkten. Bis dahin hatte man sich darauf beschränkt, Produktnachfragen der Kunden zu erfüllen, aber die Dienstleistungen nicht aktiv anzubieten.