Zeichnungsaufruf

1914 bis 1931: Die Sparkassen im Ersten Weltkrieg und der Nachkriegszeit

Die ersten 95 Jahre der Sparkassengeschichte waren von einer stetigen Aufwärtsentwicklung und großen Erfolgen gekennzeichnet. Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 folgten dann die 50 schwierigsten Jahre dieser Geschichte mit vielen katastrophalen Entwicklungen.

Im Weltkrieg litten die Sparkassen vor allem an personellen Engpässen, die durch das Einrücken vieler Beamter zum Heer entstanden. Sie bewährten sich allerdings beim Verkauf der acht Kriegsanleihen.

Mit zunehmende Kriegsdauer wurden die Aufrufe zum Zeichnen der Kriegsanleihen drastischer.

Mit zunehmende Kriegsdauer wurden die Aufrufe zum Zeichnen der Kriegsanleihen drastischer.

Ein Viertel des Gesamtvolumens wurde von den Sparkassen selbst bzw. von ihren Kunden gezeichnet. Die Sparkassenleiter wurden dafür mit kaiserlichen Orden überhäuft. Als die Kriegsanleihen nach 1918 aber fast ihren gesamten Wert verloren und die Bevölkerung auf einen großen Teil ihrer Ersparnisse verzichten musste,  machten sie die Sparkassen und Banken dafür verantwortlich.

Erstmals kam es zu einem großen Vertrauensverlust seitens ihrer Kunden. Die restlichen Ersparnisse der Menschen gingen nach 1921 durch die Hyperinflation verloren. Durch diesen Geldwertverlust gab es für die Sparkassen bei ihren beiden wichtigsten Geschäftsfelder, dem Spargeschäft und dem Hypothekardarlehensgeschäft, einen völligen Stillstand.

Zeichnungsaufruf

Als sich die Wirtschaft nach 1924 mit der Einführung des Schillings langsam wieder erholte, kam es zum Zusammenbruch des Spitzeninstituts, der Centralbank der Sparkassen, dem seine Kontrolle längst entglitten war und nur mehr ein Spekulationsobjekt geworden war.

Es dauerte dann 11 Jahre, bis 1938 wieder mit der späteren Girozentrale ein Spitzeninstitut gegründet werden konnte. Der nächste Tiefschlag für die Wirtschaft und die Banken war 1931 der Zusammenbruch der Creditanstalt und die folgende Wirtschaftskrise, die bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs dauerte.

Erfreulich war in diesen Jahren nur die erste Durchführung des Weltspartages im Jahr 1925, der in den nächsten Jahrzehnten einer der erfolgreichsten Jahrestage in Österreich wurde, und die Erlaubnis, neue Geschäfte durchführen zu können. Als es 1922 fast keine Spareinlagen und Darlehen gab, erlaubte die Regierung den Sparkassen erstmals das Betriebsmittel-, Pfanddarlehens-, Devisen- und Valutengeschäft und rettete sie so ihre Existenz.

Da ihnen nach wie vor das Spekulationsgeschäft verboten war, konnten sie dank ihres erfolgreichen Geschäftsmodells im Gegensatz zu vielen Banken diese Jahre mit viel Mühe ohne den Konkurs eines Instituts bewältigen.