Die Sparkasse Bregenz befand sich viele Jahre im Rathaus der Stadt.

1820 – 1830: Die Sparkassenidee breitet sich in Mitteleuropa aus

Die Gründung der Erste österreichische Spar-Casse blieb kein Einzelfall. Bereits Pfarrer Weber forderte mit seiner Schrift „Errichtet Spar-Cassen!“ wohlhabende Bürger anderer Gemeinden auf, seinem Beispiel zu folgen.

Die ersten Sparkassen wurden von sogenannten „Menschenfreunden” gegründet, das waren vor allem Adelige, Geistliche, hohe Verwaltungsbeamte, aber auch Ärzte, Apotheker oder Führungskräfte in Berufsvertretungen. Von diesen Gründungsvereinen leitet sich die Rechtsform der Vereinssparkasse ab. Auch heute gibt es noch bei vielen Sparkassen einen Sparkassenverein, der sich um die Sicherung des organisatorischen Bestandes der Sparkasse kümmert.

Die Sparkasse Bregenz befand sich viele Jahre im Rathaus der Stadt.

Die Sparkasse Bregenz befand sich viele Jahre im Rathaus der Stadt.

Da diese „Menschenfreunde“ zumeist in den Städten wohnten, entstanden die ersten Sparkassen in größeren Gemeinden. Nach dem Geschäftsmodell der Erste österreichischen Spar-Casse wurden Sparkassen 1822 in Bregenz und Innsbruck, 1825 in Graz und 1835 in Klagenfurt gegründet. Von Wien ging die Sparkassenidee aber auch in die anderen Kronländer der Monarchie.

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Am 12. Februar 1822, dem Geburtstag von Kaiser Franz I., öffneten im damals österreichischen Venetien sechs Sparkassen ihre Schalter und am 1. März folgte ein Institut in Laibach (Ljubljana). Auch in der ebenfalls damals österreichischen Lombardei wird 1823 eine Sparkasse nach dem Wiener Modell eröffnet.

Die „Cassa di risparmio delle province Lombarde“ in Mailand wird in der Folge eine der größten europäischen Sparkassen. Die erste Gründungswelle wird 1825 mit der Sparkasse in Prag abgeschlossen. Die einzige Sparkasse in einem ländlichen Gebiet entstand 1825 in Hollabrunn.

Man muss bedenken, dass in den meisten Kronländern diese Sparkassen bis in die 1850er Jahre die einzigen Kreditinstitute waren, in denen die Bevölkerung auch kleinere Sparbeträge anlegen konnte und die kleine Darlehen vergaben. Die Sparkassen besaßen meist nur ein bis zwei Räume im ersten Stock der Rathäuser oder anderer öffentlicher Gebäude und hatten nur wenige Stunden an zwei bis drei Tagen in der Woche geöffnet.